Fusionsverhandlungen

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder,

die Erfurter Bank eG und die vr bank Südthüringen eG stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung: Als starke Flächenbank wollen wir die zukünftigen Herausforderungen gemeinsam meistern. Unter dem programmatischen Motto „Wir verbinden Regionen” soll eine genossenschaftliche Wertschöpfungsbrücke zwischen den städtischen Ober- und Mittelzentren sowie den ländlich geprägten Räumen in der Mitte und im Süden Thüringens entstehen.

Mit der Bündelung der Kräfte der gleich großen Partner streben wir an, unseren Förderauftrag besser zu erfüllen und dabei den Charakter als Finanzdienstleister mit hoher persönlicher Bindung zu wahren. Nach kurzen, intensiven Sondierungen haben die Aufsichtsräte jeweils einstimmig für die Aufnahme von Fusionsverhandlungen votiert. In den seit Juni laufenden Verhandlungen sind wir nun dabei, ein strategisch tragfähiges Konzept für die gemeinsame Bank zu entwickeln.

Sie sind es, die als unsere Eigentümer mit Ihrer Stimme über diese Verschmelzung entscheiden werden. Der Dialog mit Ihnen ist uns sehr wichtig und ein persönliches Anliegen. Voraussichtlich Anfang November werden wir Informationsveranstaltungen anbieten (digital und Präsenz), um Ihre Fragen zu beantworten und Wünsche aufzunehmen. Bitte treten Sie auch unabhängig davon gerne mit uns in Kontakt, wenn es Aspekte gibt, zu denen Sie nähere Erläuterungen wünschen.

Wir laden Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns die Zukunft zu gestalten.

Vergleich

Die Partnerbanken im Profil

Nach der Verschmelzung würde die Bank mit einer Bilanzsumme von 1,2 Mrd. Euro zu den größten Kreditgenossenschaften in Thüringen zählen und die durchschnittliche Größenordnung im Genossenschaftsverband erreichen. Mit insgesamt fast 100.000 Kunden, 25.000 Mitgliedern und 230 Mitarbeitern könnte sie für die Menschen und Unternehmen vor Ort ein beachtliches Gewicht auf die Waagschale bringen.

 

Bilanzsumme (TEUR) 597 590
Kundeneinlagen (TEUR) 502 491
Kundenkredite (TEUR) 319 250
Bilanzielles Eigenkapital (TEUR) 56 53
Mitglieder 11.671 13.141
Mitarbeiter 123 104

Gründe

Trends im Markt für Finanzdienstleistungen

Gründe für die Verschmelzung sind insbesondere die geänderten Rahmenbedingungen für die genossenschaftlichen Banken. Zum einen zwingen das wirtschaftliche Umfeld, wie z.B. das anhaltend niedrige Zinsniveau in der Eurozone, die durch Corona noch einmal stark gewachsene Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die demografische
Entwicklung zu neuen strategischen Überlegungen. Zum anderen erfordern immer weiter steigende regulatorische Anforderungen und Vorgaben des Verbraucherschutzes hohe Investitionen und verursachen überproportionale laufende Kosten. Gerade kleinere Institute befinden sich im Zangengriff sinkender Erträge und steigender Kosten. Mit der gebündelten
Kraft einer gemeinsamen Bank können wir diese Anforderungen wesentlich effizienter abdecken, Service und Beratungsleistungen für die Kunden weiterentwickeln und Innovationen, insbesondere die digitale Transformation, zügiger umsetzen. Der kontinuierliche Fortgang der Strukturveränderung durch 21 Fusionen im vergangenen Jahr im Gebiet unseres inm 14 Bundesländern vertretenen Genossenschaftsverbandes spiegelt die großen Herausforderungen wider und zeigt, dass der Weg des Zusammenschlusses zu größeren Einheiten von vielen Kreditgenossenschaften gegangen wird. Dass dieser Weg für unsere FinanzGruppe in der Summe erfolgreich ist, zeigt das starke Wachstum bei den Mitgliedern und der Bilanzsumme: Letztere ist seit der Jahrtausendwende im Bundesschnitt von 535 Mrd. Euro auf 985 Mrd. Euro gewachsen, die Zahl der Mitglieder von 15 Mio. auf 18,5 Mio.

Wettbewerb: Tech-Riesen greifen an

Es herrscht ein scharfer Wettbewerb im deutschen Markt, den besonders Vertreter der Großbanken mit Blick auf ihre schwachen Renditen gerne als „overbanked“ bezeichnen. Die Bankenbranche ist – vor allem durch die Entwicklungen seit der Finanzkrise 2007/2008 und die Digitalisierung – von zahlreichen Umbrüchen geprägt. Insbesondere das Vordringen der Tech-Riesen wie Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft, Alibaba und Tencent in den Bankenmarkt gewinnt aktuell rasant an Fahrt. Nimmt man die Börsen als Maßstab, zählen diese zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Sie haben Plattform-Geschäftsmodelle mit eigenen Zahlungssystemen. Das Auftreten dieser Wettbewerber bedeutet eine neue Qualität, weil sie nicht unbedingt das Ziel haben, mit dem Bankgeschäft Geld zu verdienen. Banking rundet ihr Kerngeschäft nur ab, mit dem Ziel, noch mehr Besucher auf ihre Plattformen zu locken. Schon zu Beginn dieses Jahres – als kaum jemand an eine Corona-Pandemie dachte – ging die Bundesbank von einem noch größer werdenden Druck auf die etablierten Banken aus. Wegen des konjunkturellen Abschwungs werde es einerseits weniger gut als in den letzten Jahren gelingen, fallende Erträge durch die Ausweitung des Kreditgeschäfts und fallende Risikovorsorge zu kompensieren. Andererseits werde der Gegenwind durch die Negativzinsen nicht nachlassen. Deshalb machte sich die Aufsicht bereits damals Gedanken über die Rentabilität der Branche. Sie erwartete vom Management, Maßnahmen zu ergreifen, wozu die Bundesbank auch mehr Konsolidierung – also ausdrücklich Fusionen – zählt. Als Folge von Corona empfehlen EZB und die deutsche Bankenaufsicht darüber hinaus inzwischen auch dringend, in diesem Jahr keine Dividenden auszuzahlen. Das zur Verfügung stehende Kapital soll im Bankensektor belassen werden, um die Institute krisenfester zu machen.

Antwort auf die Beschleunigungsgesellschaft

Parallel dazu verändern die Entscheidungen der Kunden die Branche: Wir leben in einer Beschleunigungsgesellschaft, in der neue Trends sehr schnell einen großen Einfluss auf unsere Lebenswirklichkeit gewinnen. Die mobile Abwicklung von Bankgeschäften, neue digitale Bezahlwege und Finanzangebote sowie die schon erwähnten neuen Wettbewerber, zu denen auch die FinTechs zählen, bestimmen das Marktgeschehen. Durch Corona ist keine grundsätzlich neue Situation entstanden, aber die Pandemie wirkt wie ein Verstärker auf
die geschilderten Trends. Sie ist eine zusätzliche Bestätigung für die Sinnhaftigkeit
und Notwendigkeit des von uns geplanten Zusammenschlusses. Durch die inzwischen als Folge von Corona gesammelten Erfahrungen mit der Digitalisierung haben wir zugleich gezwungenermaßen seit Mitte März einen Quantensprung gemacht, u.a. in Sachen Homeoffice und virtuelle Vernetzung. Dies wird uns bei der Schaffung einer modernen Flächenbank zugutekommen, die Regionen miteinander verbindet.

Geschäftsgebiet

Mittelständischer Finanzierungspartner für Regionen

Die Fusionspartner passen mit ihren Tätigkeitsschwerpunkten und Kompetenzen
wirtschaftlich gut zusammen. Das Geschäftsgebiet umfasst Erfurt ebenso wie Teile des Thüringer Waldes mit der Goethe- und Universitätsstadt Ilmenau an dessen Nordrand, dem fränkisch geprägten Süden mit Suhl als Zentrum und dem Landkreis Hildburghausen sowie
die Kreisstadt Arnstadt in der Mitte Thüringens. Dieser Lebens- und Wirtschaftsraum entlang der Mobilitätsachse A71, rund um das Erfurter Kreuz als Drehscheibe für Wertschöpfungsströme, bietet viele Chancen für eine starke genossenschaftliche Flächenbank. Als mittelständischer Finanzierungspartner für diese Regionen werden wir zusätzliche Potentiale sowohl im Kundengeschäft als auch bei unseren Prozessen heben können. Dabei streben wir an, digitale Leistungen und die Präsenz vor Ort zu verzahnen. Denn die Zukunft ist persönlich und digital: Durch persönliche Beratung und technisch erstklassige Lösungen wollen wir für die Menschen Brücken bauen zwischen digitaler Welt und Heimat. Die Fusion soll so gerade auch das Finanzierungsgeschäft mit Unternehmern und Privatkunden beflügeln. Wir sehen einen attraktiven Branchenmix von klassischer mittelständischer Stärke sowie Potential in den Bereichen Technologie und Dienstleistungen. Dieser Mix reicht u.a. von Tourismus über Handwerkskunst mit Weltruf bis zu Hightech-Unternehmen. Hinzu kommen hochkarätige Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen als Standortfaktor.

Die Kunden profitieren vom unverändert hohen Stellenwert der genossenschaftlichen
Beratung durch die persönlich bekannten Ansprechpartner bei einem gleichzeitig deutlich erweiterten Leistungsspektrum. Auch nach einer Fusion werden die vertrauten Gesichter vor Ort ihre Ansprechpartner sein – und gleichzeitig bessere Möglichkeiten haben, auf die Bedürfnisse einzugehen, z.B. mit mehr Zeit durch die Entlastung von Verwaltungsaufgaben.
Durch deutlich höhere Limits für Kredite und Baufinanzierungen werden die Berater*innen mehr Kompetenzen erhalten. Kundennähe bedeutet Präsenz vor Ort – auch als größere
Bank wollen wir erlebbar bleiben: Im Zusammenhang mit der Fusion werden wir keine Filialen schließen, z. B. als Folge von Gebietsüberschneidungen. Mit unserem Filialnetz fühlen wir uns aktuell gut aufgestellt. Die Fusion leistet einen Beitrag zur Sicherung unserer regionalen Infrastruktur. Wir wollen an allen Standorten mit vitalem Wirtschaftsleben vertreten sein. Die Kunden beider Partner werden alle Filialen und SB-Standorte im gemeinsamen Marktgebiet nutzen können und erhalten so mehr Komfort sowie Flexibilität für ihre Geldgeschäfte.

Name steht für Identität

Mit unserem zukünftigen Namen möchten wir als Volksbank klar erkennbar sein und so auch besser vom bundesweiten Auftritt und der starken Marke der Genossenschaftlichen FinanzGruppe profitieren. Gleichzeitig ist uns die regionale Identität sehr wichtig. Mit diesem Antritt haben wir unsere Mitarbeiter*innen eingeladen, Vorschläge für den Namen zu machen. 30 von ihnen sind unserem Aufruf gefolgt und haben 62 Vorschläge für unsere Firmierung gemacht. Zur Belohnung gibt es Dauerkarten für die Bundesgartenschau in Erfurt. Sowohl die Beteiligung als auch das Ergebnis können sich sehen lassen: Das gemeinsame Haus soll den Namen Volksbank Thüringen Mitte eG tragen. Nicht nur beim Namen, sondern auch bei allen anderen wichtigen Fusionsthemen ist uns die Meinung der Mitarbeiter*innen wichtig und wir möchten sie kennen. Deshalb wird der gesamte Fusionsprozess durch regelmäßige digitale Fusions-Updates der Vorstände beider Banken begleitet. Ziel ist eine offene Kommunikationskultur mit hoher Transparenz für alle Beteiligten. In diesem Zusammenhang haben wir auch die Initiative „Ein Tag bei meinem Fusionspartner” ins Leben gerufen, bei der Kolleg*innen ihre jeweiligen Pendants für einen Tag besuchen. So wollen wir nicht nur persönliches Kennenlernen ermöglichen, sondern auch das der Strukturen in der Partnerbank. Der Austausch über aktuelle Problemstellungen und Lösungsansätze soll dabei helfen, Ideen für den Weg zueinander zu entwickeln. Zunächst war das Programm für die Führungskräfte gedacht, aber nach den ersten positiven Erfahrungen haben wir den Kreis der Beteiligten schnell auf alle Mitarbeiter*innen mit Interesse an einem Arbeitsbesuch in der Partnerbank erweitert. Mit diesem Vorgehen dokumentieren wir zugleich den hohen Stellenwert der Fusion für unsere Attraktivität als Arbeitgeber, mit Freiräumen und spannenden beruflichen Entwicklungsperspektiven. Langfristig sichere Arbeitsplätze und eine erfüllende Tätigkeit definieren wir als wesentlichen Teil unseres Erfolgs – junge Menschen sollen von einem starken Ausbildungsbetrieb profitieren.

Meilensteine

Neue Antworten, damit Bewährtes weiterlebt

Neue Antworten sind gefragt, damit Bewährtes weiterlebt: Die ersten Schritte sind getan, die Intensivierung der Zusammenarbeit beider Banken und die Entwicklung eines Organigramms gehen stetig voran. Über wichtige Eckpunkte wurde bereits Einvernehmen erzielt – es wird eine von großem partnerschaftlichem Geist getragene Fusion sein: Sitz der Bank wird Erfurt mit der Zentralfunktion als Landeshauptstadt, übernehmender Partner wegen der optimalen steuerlichen Gestaltung die vr bank Südthüringen eG. Die Besetzung der Organe soll personell ausgewogen die unterschiedlichen Regionen beider Häuser widerspiegeln. Den Vorsitz im paritätisch besetzten zehnköpfigen Aufsichtsrat wird Prof. Dr. Sascha Leese (Erfurt) übernehmen, sein Stellvertreter wird Michael Ziechnaus (Suhl). Den Vorstand bilden Peter Neuhaus (Vorsitzender), Dr. Christina Klee und Martina Kopietz. Auf Basis von Zwischenbilanzen zum 31. Juli 2020 stehen bereits weitere Meilensteine fest: Am 9. Dezember 2020 wird die Vertreterversammlung in Erfurt über die Fusion beschließen, am 17. Dezember 2020 folgt die Entscheidung der Generalversammlung in Suhl. Fusionsstichtag ist dann der 1. Januar 2021. Auf dem Weg dahin werden wir Sie weiter auf dem Laufenden halten – in diesem Sinne freuen wir uns auf Ihr Feedback und den Dialog mit Ihnen.

Sondierungen erfolgreich abgeschlossen Ja
Einstimmiges Mandat beider Aufsichtsräte liegt vor Ja
Konkrete Fusionsverhandlungen laufen an Ja
Anmeldung der Fusion bei Bankenaufsicht, Rechenzentrale und Genossenschaftsverband
Ja
Verschmelzungsvertrag und Verschmelzungsbericht Nein
Verschmelzungsgutachten des gesetzlichen Prüfungsverbandes Nein
Beschlussfassung durch Mitglieder bzw. Vertreter bei den ordentlichen Versammlungen 2020 Nein
Eintragung ins Genossenschaftsregister Nein 
Technische Fusion am 26. Juni 2021 Nein